Hohenstaufen-Gymnasium Göppingen
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Im Juli 2010

Liebe Freunde und Förderer der Togohilfe!

Der letzte Rundbrief der Togohilfe liegt nun schon fast ein Jahr zurück. Heute möchte ich ihnen eine Zusammenfassung aus dem Jahresbericht von Bernardin Schellenberger sowie der Korrespondenz von Bernita Nothelfer geben, um sie über die Aktivitäten der Togohilfe im Norden des Landes und der Situation in Togo insgesamt zu informieren, damit sie sich ein Bild machen können, wie ihre Spenden dort eingesetzt werden und wirken können.

Präsidentschaftswahlen in Togo

Am 4. März diesen Jahres fanden die Präsidentschaftswahlen statt, in denen Faure Gnassingbe (der Sohn des langjährigen Diktators) mit 61% der Stimmen in seinem Amt bestätigt wurde. Aber die Opposition spricht von massivem Wahlbetrug. Auch die Wahlbeobachter der EU hatten mangelnde Transparenz bei der Auszählung und Übermittlung der Stimmen kritisiert (dpa 07.03.2010). In der Folge kam es zu Demonstrationen und Ausschreitungen, die sich – im Gegensatz zu denen nach der letzten Wahl vor fünf Jahren - glücklicherweise nicht so gewaltsam entwickelten. Damals gab es etwa 400 Tote zu beklagen!

Allgemeine Preiserhöhungen

Belastend für die Menschen im Land sind seit einigen Monaten heftige Preiserhöhungen. Herr Magnangou, unser Koordinator vor Ort, schreibt in einem Brief vom 30.06.2010: „Unsere Politiker an der Spitze des Staates sind noch nicht entschlossen, dieses Land aus seinem Elend zu befreien. Die Preise hören nicht auf zu steigen und das Volk lebt ohne jede Maßnahme der Unterstützung. Seit einer Woche sind überall Streiks ausgebrochen.“

Mitte Juni 2010 wurde beispielsweise der Preis von Benzin und Lampen-Petroleum deutlich angehoben.

(Der Liter-Preis von Normalbenzin wurde von FCFA 500 auf FCFA 575 erhöht [ca. € 0,75 auf ca. € 0,86]; von Lampenpetroleum von FCFA 390 auf FCFA 475 [ca. € 0,58 auf ca. € 0,71].

Zur verhältnismäßigen Einordnung:

Unser Geld ist ca. 20mal so viel wert. (Eine Sekretärin in einer Elektronikfirma und ein Maurer in der Stadt mit Diplom verdienen monatlich umgerechnet ca. € 60; unsere Volksschullehrer auf dem Land € 35).

Dann wäre bei uns der Benzinpreis pro Liter von € 15,- auf € 17,25 gestiegen, der Lampen-Petroleumpreis von € 11,60 auf € 14,20).

 

Überblick über Schulprojekte

Trotz dieser negativen Entwicklungen geht es auf dem Gebiet unserer Schulen explosionsartig vorwärts. Der Staat übernahm schrittweise die meisten der von uns seit Jahren angestellten und bezahlten Lehrer. Das waren jahrelang 28; dann noch

·      ab Januar 2009: 20,

·      ab Januar 2010: 16 und

·      ab Mai 2010: 5 Lehrer.

Auch mehr Eltern können jetzt den Schulbesuch ihrer Kinder selbst finanzieren. Deshalb konnten wir die Zahl unserer Schul-Patenkinder (seit Jahren 506) ab 2009 auf 414 und ab 2010 auf 354 reduzieren, indem wir anstelle von Schülern, die fertig wurden, nicht mehr so viele neue nachrücken ließen.

Mit dem Spendengeld, das wir dadurch einsparen, wollen wir jetzt anfangen, zusammen mit Herrn Magnangou ein Modell der Begabtenförderung zu entwickeln: Einigen Schüler/inne/n, die besonders hervorragend abschließen, als Preis ein einjähriges Stipendium am Gymnasium oder der Universität zu schenken und auf diese Weise immer mehr Kindern vom Land den beruflichen Aufstieg zu ermöglichen. Solche gebildete Menschen können dann am ehesten die Verhältnisse in der Gegend und im Land verbessern.

Vorwiegend aber sind wir derzeit beim Auf- und weiteren Ausbau der ständig weiter boomenden Schulen engagiert. Die Abgänger unserer Volksschulen drängen jetzt vermehrt in die neu gegründeten Realschulen. Da zeichnet sich eine regelrechte Bildungsrevolution ab. Allein die neue Realschule von Agbang verzeichnete folgende Schülerzahlen: 2006/07: 156 - 2007/08: 204 - 2008/09: 267 - 2009/10: 379.

So gaben wir 2009 rund € 3000 für Schulmaterial aus und finanzierten Schulbänke, an denen es chronisch mangelt (eine von Schreinern vor Ort hergestellte 2-er Schulbank kostet rund € 30): 80 für die Grundschule Seyo, 50 für die Realschule Agbang, 40 für die Realschule Adomdè, 100 für die Grundschule Kpindi und noch einmal 70 für die Realschule Agbang.

Außerdem brauchen die Schulen Brunnen. Für solche gaben wir Zuschüsse in Seyo, Agbang und Gnékéréda.

In der besonders armen Gegend von Kpindi unterhielten wir mit ca. 3000 € die ganzjährige Schulspeisung für viele hundert Kinder.

 

Starke Überschwemmungen

Zu Beginn des Jahres kam es aufgrund ungewöhnlich starker und langanhaltender Regenfälle zu großen Überschwemmungen im Land, wodurch viele Häuser und auch große Teile der Ernte zerstört wurden. Hierfür spendete die Togohilfe spontan € 300 als „Erste Hilfe“-Leistung in unserem Projektgebiet.

 

Schul-Erweiterungsbau von Gnékéréda

Aufgrund dieser Überschwemmungen konnte der Erweiterungsbau, in dem drei neue Klassenzimmer untergebracht sind, erst im April diesen Jahres feierlich eröffnet werden. Der Schulbetrieb in den zusätzlichen Räumen läuft dort allerdings schon seit Januar 2010.

 

Artemisiaprojekt von Marc

Das erste Anbaujahr von Artemisia war erfolgreich. In seinem Idealismus verteilte Marc nach seinen Angaben an rund 2000 Menschen gratis seine Artemisia-Blätter (mit denen man Tee zubereitet oder die man trocknet, zerstampft und als Pulver einnimmt), die sehr gut gegen Malaria helfen. Er versäumt es, wenigstens einen kleinen Preis dafür zu verlangen, um weiterwirtschaften zu können. So besorgten wir ihm noch einmal ein Säckchen mit 5000 Samenkörnern (Preis: € 50). Im zweiten Jahr zerstörten die massiven unzeitigen Regenfälle einen guten Teil der Ernte. Aber in etwas kleinerem Maßstab geht dieser Anbau weiter und wir hoffen, Marc und seine Gruppen lernen etwas besser das nachhaltige Wirtschaften.

 

Hebammenstationen

Nach wie vor werden von der Togohilfe drei Hebammen besoldet. Diese arbeiten in den Geburtsstationen von Agbang und Kpinzinde, die von der großen Mehrheit der schwangeren Frauen im Projektgebiet aufgesucht werden. Diese Entbindungsstationen sorgen darüber hinaus für einfache medizinische Betreuung, Aufklärung in Sachen Familienplanung sowie Beratung in Ernähungs- und Hygienefragen.


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