Navigation

So nah und doch so fern

Die Vereinigten Staaten von Amerika. Das Land, in dem Träume wahr werden. Jeder schwärmt davon, einmal im Leben dorthin zu fliegen, sei es als Urlaub oder als Austauschschüler*in. Wir, 16 Schülerinnen und Schüler aus den Kursstufen 1 und 2 des Hohenstaufen - Gymnasiums, hatten dieses Jahr die Chance, an einem interkulturellen Austausch mit einer Highschool aus Owatonna, Minnesota, in den Vereinigten Staaten von Amerika teilzunehmen. Allerdings bedeutete es für uns nicht nur einen Austausch, sondern vielmehr eine Entdeckungsreise zu einer anderen Kultur und den Beginn neuer Freundschaften.

Voller Vorfreude und Aufregung erwarteten wir die Ankunft der Amerikaner am 03. Juli 2019 am Göppinger Bahnhof. Nach einer herzlichen Begrüßung ging es für die übermüdeten Amerikaner das erste Mal in ihr neues Zuhause für die kommenden drei Wochen. In dieser Zeit haben wir viel miteinander erlebt und uns näher kennengelernt. Unternehmungen, wie an einem deutschen Abschlussball teilnehmen, zusammen ein Fußballspiel anschauen, American Football oder auch Lasertag spielen, waren schöne Momente, die wir miteinander teilten. Oft trafen wir uns auch spontan in der Stadt und setzten uns in eine Eisdiele, um UNO zu spielen. Tagesausflüge, wie nach Tübingen oder Stuttgart, wurden auch in unser Programm integriert. Sowohl die Stocherkahnfahrt als auch die tolle Aussicht über Stuttgart waren für uns eindrucksvolle Erlebnisse. Ein Brezelschlingkurs und tolle Gruppenfotos standen ebenfalls auf der Agenda. Als Wochenendausflug besuchten wir die zwei Stunden entfernte Stadt Füssen. Dort  wanderten wir unter anderem zum Schloss Neuschwanstein und genossen die beeindruckende Aussicht. Abends saßen wir als Gruppe noch bis spät in die Nacht da und unterhielten uns oder spielten etwas. Oftmals sind es die kleinen Dinge, die die schönsten Erinnerungen schaffen. Dazu zählt auch unser Pullover, den wir gemeinsam entwarfen und nach wie vor voller Enthusiasmus tragen. Zudem bereicherten auch die vielen Lacher und Insider unsere rundum positive Gruppenatmosphäre. Natürlich hatten die Amerikaner hier in Deutschland nicht nur Freizeit, sondern durften auch in den deutschen Schulalltag eintauchen. Was sie als bewundernswert empfanden, war unsere Mensa, da es dort jeden Tag leckeres und frisches Essen gibt. Apropos Essen: Unsere schwäbischen Spezialitäten Spätzle, Maultaschen und Kartoffelsalat kamen gut an. Eine große Umstellung und Neuheit für die Amerikaner war das heiße Wetter.

Auch für uns stellte das Wetter eine ziemliche Umstellung dar, als wir am 11. Oktober 2019 nach einer 24-stündigen Reise im kalten Owatonna ankamen. Minnesota begrüßte uns netterweise mit 2 Grad Celsius. Wir pflegten immer zu sagen: „The Germans can handle the heat, but not the cold“. Im Endeffekt war es so kalt, dass es im Oktober sogar schneite. Der Schnee hielt uns allerdings nicht davon ab, unsere geplanten Aktivitäten durchzuführen. Von Footballspielen über Parkspaziergängen bis hin zu Gruselparcours war alles dabei. Die berühmt berüchtigten Highschool Footballgames waren der absolute Höhepunkt unserer Reise. Nicht nur, weil die Owatonna Huskies seit über drei Jahren kein Spiel mehr verloren hatten, sondern auch wegen der überwältigenden Stimmung in der Schülersektion der Tribüne. Alle sangen und feuerten ihre Mannschaft an. Solch ein Gemeinschaftsgefühl live mitzuerleben war sehr imposant. Neben den Footballspielen, die wir gemeinsam als Gruppe angeschauten, waren wir auch alle zusammen im Rahmen eines dreitägigen Ausfluges in der 347 km entfernten Stadt Duluth. Unser dortiger Aufenthalt wurde zu einer Erlebnisreise, als wir uns mit dem typisch amerikanischen Schulbus verfuhren und uns letzten Endes gemeinsam den Weg aus den Tiefen des Waldes bahnten. Am Ende des Tages hatten wir so viele Eindrücke zu verarbeiten, dass wir abends nur noch gemütlich beisammensaßen und Lieder sangen. Insbesondere wurden unsere Eindrücke dabei durch den Besuch des atemberaubenden Gooseberry-Falls-State-Park sowie des bezaubernden Split Rock Lighthouse State Park geprägt. Ein erfolgreiches und ein mit vielen lustigen Erinnerungen gefülltes Wochenende neigte sich somit dem Ende zu und wir fuhren wieder heim, um am nächsten Tag wieder am US-amerikanischen Schulunterricht teilzunehmen. Der Schulalltag ist im Hinblick auf Fächer, die unterrichtenden Lehrer und Unterrichtszeiten im Prinzip jeden Tag der gleiche. Das ist ein großer Unterschied zu Deutschland, aber lange nicht der einzige. Auch in Sachen Religion, Essen und Fortbewegung unterscheiden wir uns von den US-Amerikanern. In den Vereinigten Staaten gehen die meisten Leute jeden Sonntag in die Kirche, essen viel Fastfood und fahren überall mit ihrem Auto hin, anstatt zu laufen oder auf das Fahrrad zu steigen. Ein großes Plus ist jedoch, dass man schon mit 16 Jahren alleine Auto fahren kann. Deshalb  waren wir komplett unabhängig und konnten uns somit oft mit den anderen Leuten aus dem Austauschprogramm treffen. Zudem waren private Gruppenausflüge nach Wisconsin oder Minneapolis viel einfacher zu planen, weil wir nicht auf die Eltern angewiesen waren. Einmal besuchten wir allesamt die Mall of America, welche das meist besuchte und größte Shopping -& Entertainmentcenter in den USA ist. In der Mall kauften wir uns Kostüme für die anstehende Halloweenparty, auf die sich schon alle freuten. Natürlich bestand der Grund für die Vorfreude auch darin, dass wir das erste Mal Halloween in Amerika verbrachten, wo dieses Event einen sehr hohen Stellenwert einnimmt und für das die Amerikaner bekannt sind. Außerdem durften wir an einem College und Career Day teilnehmen, wo wir die Möglichkeit bekamen, in manche Colleges und Firmen reinzuschnuppern. Allumfassend kann man sagen, dass wir sehr viel in den Staaten erlebt haben und generell viel aus dem Austausch gelernt haben. Eine Sache davon ist, dass, selbst wenn tausende von Kilometern zwischen uns liegen, uns doch immer unsere Erinnerungen und Momente, die wir nah bei unseren Herzen tragen, miteinander verbinden werden.

von Laura Kunike, K2