Navigation

Einblicke in kreative Schreibprozesse

Autor Peter Stamm spricht mit Schülerinnen und Schülern des Hohenstaufen-Gymnasiums und des Rechberg-Gymnasiums über seinen Roman.

„Agnes“ heißt die neue Pflichtlektüre an den Gymnasien und so sprach der Autor Peter Stamm am Mittwoch, 21.5.2014, über sein Werk, sein Vorgehen beim Verfassen der Lektüre und gab damit den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, Einblicke in die Arbeit eines Autors zu gewinnen. So war es ein ganz besonderes Ereignis und eine seltene Gelegenheit für Schüler und Lehrer, die von allen Beteiligten ausführlich genutzt wurde.

Zu Beginn las Peter Stamm zwei Kapitel aus seinem Roman, um anschließend Fragen von Schülerinnen und Schüler viel Raum zu geben. Dabei antwortete er stets für die Schüler nachvollziehbar, mit Humor und Selbstironie. Bestens über den Inhalt informiert, fragten diese sehr detailliert und inhaltlich ausgereift nach. Auf die Frage nach verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten antwortete der Autor, dass jeder frei sei in seiner Interpretation, wenn diese am Text nachweisbar sei.

In seinem 1998 veröffentlichten Roman „Agnes“ erzählt Peter Stamm die Liebesgeschichte zwischen einem etwa vierzigjährigen Schweizer Sachbuchautor und Agnes, einer fünfundzwanzigjährigen amerikanischen Doktorandin der Physik. Der Protagonist und namenlose Ich-Erzähler entwirft eine Geschichte in der Geschichte und verlangt von Agnes, dass sie der Fiktion in der Realität folgt.

In seinem Werk verarbeitet der Autor auch eigene Erlebnisse. Durch die Fragen der Schüler wurde klar, dass Peter Stamm inhaltliche Dinge, die in seinem Roman vorkommen, nicht fremd sind. Er stellte jedoch fest, dass er sich beim Schreiben zwar mit dem Ich-Erzähler identifiziere, dass er aber nicht so sei wie dieser.

Auf die Frage eines Schülers, ob er stolz darauf sei, dass sein Roman nun Sternchenthema sei, antwortete Stamm, dass er es toll finde und es schlimmere Schicksale gebe. „Agnes“ würde sich deshalb gut eignen, weil es dünn und die Zumutung dadurch nicht allzu groß sei. Allerdings stellt der Autor sich die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, Sternchenthemen zu haben.

Neben den inhaltlichen Fragen zum Werk ließ der Autor auch immer wieder Einblicke in den Schaffensprozess eines Autors zu, dass die Technik und die zu erzeugenden Bilder eine tragende Rolle spielten und das Ende intuitiv komme und dass er das Buch, nachdem es fertig geschrieben sei, eigentlich nicht mehr lese.

Sympathisch und gut gelaunt führte Peter Stamm den Dialog mit den Schülerinnen und Schülern. Sicherlich haben alle Beteiligten viele neue und interessante Erkenntnisse gewonnen und werden diesen Nachmittag noch lange im Gedächtnis behalten.