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"Schreiben als bezahlte Therapie"

Jugendbuchautor Andreas Steinhöfel besucht das HoGy

"Wer stört, fliegt raus!" fuhr der gespannt erwartete Gast seine Zuhörer gleich am Anfang an. Mit sanfter Stimme zwar und lächelnd, aber durchaus ernst gemeint. Doch nach wenigen Worten waren sich alle einig: "Der ist ja cool, der redet genau wie wir!" Das Interesse war geweckt, an Stören dachte in den folgenden anderthalb Stunden keiner im Saal.

Nachdem Ende Mai bereits die Holocaust-Überlebende Inge Auerbacher ("Ich bin ein Stern") das Hohenstaufen-Gymnasium besucht und mit ihren Schilderungen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte, war es vergangene Woche der trotz seiner 44 Jahre sehr jugendlich wirkende Autor Andreas Steinhöfel, der den Nachmittagsunterricht einer 7. und einer 10. Klasse auflockerte. Unterstützt wurde die Lesung vom Bodecker-Kreis, dem Elternbeirat und der Barbarossa-Buchhandlung.

Steinhöfel, dessen Jugendromane "Die Mitte der Welt" und "Der mechanische Prinz" inzwischen nicht nur am HoGy zur Schullektüre gehören, traf mit seiner offenen, frechen Art genau den Nerv der Jugendlichen. Der in Berlin lebende Autor gab zunächst eine Kostprobe aus seinem Kurzgeschichtenband "Defender", wobei ihm das Wagnis gelang, mit nur einer Geschichte sowohl 13- als auch 17-Jährige anzusprechen. Sehr ehrlich stellte er sich danach den Schülerfragen. Zuerst habe er Lehrer, dann Regisseur werden wollen, erzählte er. Beim Film ist er ein Stück weit hängen geblieben: Außer Kinder- und Jugendbüchern verfasst Steinhöfel auch Drehbücher. Obwohl er selten Autobiographisches in seinen Romanen verwertet, empfindet er Schreiben durchaus als "bezahlte Therapie". Von fehlender Kommunikation, abwesenden Vätern und "Egalkindern" handeln die Bücher des Mannes, der sich als Kind immer als Außenseiter gefühlt hat. Auch in die finanzielle Seite des beruflichen Schreibens gewährte er seinen Zuhörern Einblicke. Happy-Ends laufen besser als schlechte, und daran halte er sich meistens auch, er wolle "ja schließlich nicht verhungern". Realistisch geht es in seinen Büchern nicht immer zu: "Das ist völlig wurscht "; ich will's fett, ich will Spielberg". Am Ende ist keiner rausgeflogen - viele Schüler fanden es sogar ausnahmsweise schade, dass der Unterricht schon vorbei war.

Isabel Dobos