EU-Botschafterschule: Hogy im internationalen Austausch zur EU-Bildung

Wer morgens durch den Haupteingang des Hohen Gymnasiums (HOGY) kommt, hat vielleicht schon das rechteckige Schild bemerkt, das die Schule als Botschafterschule des Europäischen Parlaments ausweist. Doch was verbirgt sich hinter dieser Auszeichnung?

Schulen, die sich besonders für die Vermittlung von Wissen über die Europäische Union (EU) und ihrer Werte engagieren, erhalten diese Ehrung. Oftmals sind die Assoziationen von Jugendlichen mit der EU jedoch weniger positiv: „Die EU hat doch sowieso nichts mit mir zu tun“ oder „Sie ist so weit weg“, hört man häufig. Dabei ist die EU in unserem Alltag viel präsenter, als viele denken: Von Cookie-Bannern, die auf EU-Vorschriften basieren, bis hin zu EU-Entscheidungen zur Kennzeichnung veganer Produkte – die Liste ließe sich fortsetzen. Trotzdem ist das Wissen über die EU bei vielen Jugendlichen erschreckend gering.

Genau hier setzt das Europäische Parlaments-Botschafterschulen (EPAS)-Programm an. Dieses europaweite Schulnetzwerk hat sich zur Aufgabe gemacht, die Funktionen der EU und ihre Werte an junge Menschen zu vermitteln. Seit dem letzten Schuljahr ist das HOGY dank der EU-AG unter der Leitung von Herrn Paravac Teil dieses internationalen Netzwerks.

Ein wichtiger Bestandteil des EPAS-Projekts sind der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Jugendlichen aus verschiedenen europäischen Ländern. Bei Konferenzen und Workshops haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, über die EU zu diskutieren – ihre Vor- und Nachteile sowie Verbesserungspotentiale. Ein Beispiel für diesen Austausch war eine Konferenz in Erlangen, bei der das HOGY vertreten war. In Workshops und bei gemeinsamen Abendessen wurden Ideen zu neuen Projekten gesammelt, und die Jugendlichen konnten ihre Meinungen austauschen. Besonders spannend war die Möglichkeit, mit Damian Boeselager, einem Mitglied des Europäischen Parlaments (Volt), in direkten Dialog zu treten.

Doch nicht nur in Deutschland engagiert sich die EU-AG: Im November nahmen Schülerinnen und Schüler der AG an einer Konferenz zum Thema Youthwashing in Zagreb teil. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff „Youthwashing“? Dieser beschreibt die absichtliche Täuschung durch Unternehmen oder politische Parteien, die sich als besonders jugendfreundlich darstellen, obwohl ihre Handlungen dem entgegenstehen. Ein weiteres Thema war Greenwashing, also die Irreführung bezüglich umweltfreundlicher Praktiken. Um diese Täuschungen zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken, organisierte das EU-Zentrum Stuttgart einen Workshop, der den Jugendlichen wichtige Fähigkeiten vermittelte.

Das Highlight dieser Reise war die Abschlusskonferenz in der kroatischen Hauptstadt Zagreb. Zehn Schülerinnen und Schüler machten sich mit dem Nachtzug auf den Weg. Nach einer langen Fahrt erreichten sie schließlich das Hotel und nahmen an der Konferenz teil, die vom kroatischen Fernsehen begleitet wurde. Dort präsentierten kroatische Wissenschaftler ihre Forschung zu Youthwashing und Greenwashing, gefolgt von einer Podiumsdiskussion mit Experten, darunter auch HOGY-Schüler. In einer offenen Fragerunde hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, ihre eigenen Fragen zu stellen und mit den Experten zu diskutieren.

Neben der Konferenz stand auch der kulturelle Austausch auf dem Programm: In Zagreb trafen die HOGY-Schüler auf Schülerinnen und Schüler der deutschen Schule in Zagreb. Bei angeregten Gesprächen und viel Gelächter wurden neue Freundschaften geschlossen. Zeit für Sightseeing gab es ebenfalls: Am Nachmittag erkundeten die Teilnehmer die Stadt und ließen den Tag bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen.

Der zweite Tag begann mit einer spannenden Gesprächsrunde mit einer Vertreterin einer NGO, die sich für die Interessen von Jugendlichen einsetzt. Leider spielte das Wetter an diesem Tag nicht mit, sodass eine geplante Stadtführung ins Wasser fiel. Trotzdem nutzten die Schüler die Zeit, um sich in Cafés zu setzen und mehr über ihre Mitreisenden zu erfahren. Zum Abschluss des Tages gab es einen weiteren Austausch mit einer Jugendgemeinderätin aus Zagreb, bevor es nach einer letzten Nacht im Hotel wieder zurück nach Stuttgart ging.

Die Reise bot nicht nur spannende Einblicke in die politische und gesellschaftliche Landschaft, sondern auch die Möglichkeit, neue Kulturen kennenzulernen und den Austausch mit anderen Jugendlichen zu fördern. „Ich habe in diesem Projekt unglaublich viel gelernt – sei es im Workshop in Stuttgart, bei dem ich viel über die Perspektiven anderer Jugendlicher erfahren habe, oder auf der Reise nach Zagreb, die mir nicht nur die politische Arbeit näherbrachte, sondern auch viele tolle Menschen und Eindrücke“, sagt eine der Teilnehmerinnen.

Für alle Schülerinnen und Schüler, die ebenfalls Interesse an europäischen Themen und Projekten haben, bietet die EU-AG weiterhin zahlreiche Möglichkeiten zur Mitwirkung. Wer Lust hat, an Diskussionsrunden, Ausflügen oder Podiumsdiskussionen teilzunehmen, kann sich bei Herrn Paravac melden oder mittwochs in der 8. Stunde zu einem Schnuppertermin in Raum 204 vorbeikommen. Wir freuen uns auf eure Teilnahme!